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::: „Die Augen wecken die Seele des Papiers“
Thüringer Autoren lesen in Berlin

Von Roland Mischke (OTZ, 05.03.2010)
Thüringen hat einen „Bücherintendanten“. So jedenfalls nennt ihn der Schriftsteller Matthias Biskupek. Es ist Jens Henkel,
der in Rudolstadt die kleine, aber feine „burgart-presse“ betreibt. Im Hauptberuf ist er Museumskustos, aber seine Passion gilt dem Künstlerbücher-Machen. Henkel hat sich
ausschließlich auf originalgrafische Bücher von höchster Herstellungsqualität verlegt. Die noblen Editionen sind limitiert auf 100, maximal 200 Exemplare. Die Illustrationen
stammen von Künstlern wie Werner Klemke, Gertrud Caspari, Karl Rössing, Hans Alexander Müller oder Fritz Kredel.
Die burgart-presse hat Lyrik und Prosa von Hans Magnus Enzensberger, Walter Jens, Wulf Kirsten, Christa Wolf, Friedericke Mayröcker, Nick Cave, Heinz Czechowski, Adolf Endler, Harald Gerlach, Kerstin Hensel und anderen edel verpackt zu Lesern gebracht. Aber es sind nicht nur
Lektürebücher, ihr Wert besteht auch darin, dass sie dem Käufer ein haptisches Erlebnis bieten.
„Nehmen Sie das Buch in die Hände, fühlen Sie es, nehmen Sie seinen Duft wahr“, empfahl Jens Henkel den rund 300 Besuchern bei der Ausstellungseröffnung in der Vertretung Thüringens in Berlin am Mittwochabend. Die Geraer Lyrikerin
Annerose Kirchner, die Gedichte vortrug, betonte die Sehlust am schönen Druck auf poetische Art: „Die Augen wecken die Seele des Papiers.“
Biskupek, Kirchner und der „Sprechsteller“ Martin Stiebert,
der Wendenotizen von 1989 des verstorbenen Harald Gerlach vortrug, gehören zu denen, die sich um den Verleger Jens Henkel scharten. „Erst waren wir ein Kollektiv, dann wurden wir ein Team“, witzelte Biskupek.
Henkel war im Dezember 1989 bei den Behörden aufgetaucht, wollte einen Verlag gründen und benötigte „die Gebührenmarke für fünf Mark“. Er legalisierte damit das, was bereits in den achtziger Jahren getrickst wurde, als Henkel und seinesgleichen im Umfeld von Ausstellungen bis zu 99 Exemplare von auf Schreibmaschine geschriebenen Texten, in Siebdrucktechnik und mit nadelvernähten Einbänden, an der Zensur vorbei brachten. 
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